Wie jeden Tag ging ich auch am Samstag, den 02. April 2011, mit einer kleinen Box Trockenfutter vor die Haustür. Damit sich Hund und Katz nicht im Garten treffen, wird die Katze vor dem Haus auf dem Bordstein ein letztes Mal gefüttert. Diesen Abend waren wir spät dran: es war schon 23 Uhr, anstatt wie sonst immer ca. 22 Uhr.
Ich bog um die Ecke, die Katze folgend. Ich sah der Straße nach, genau unter der letzten Straßenlaterne kam ein Tier ins Licht getrottet. „Oh“, dachte ich „das ist ja ne große Katze.“ Ich bückte mich, um das Futter abzustellen. In diesem Moment durchzuckte es mich: "Zu groß!" Ich starrte wieder die Straße hoch: das Klappern des Futters blieb nicht unbemerkt und die „Katze“ stand mitten auf der Straße, im Lichtkegel der Lampe, und schaute in unsere Richtung.
1000 Gedanken schossen mir fast gleichzeitig durch den Kopf: „Keine Katze, viel zu groß, Panther, keiner glaubt mir, Beweisfoto, Camera drinnen, holen? Er dann weg, beobachtet vielleicht noch die Katze, bin schnell wieder da!“ Ich stürmte los, rein ins Haus, im Flur links, Ehemann noch zurück ins Wohnzimmer geschubst (er stand gerade in der Tür, um mir nach draußen zu folgen), Camera geschnappt und wieder raus! Keine 5 Sek. später stand ich wieder auf dem Bordstein und konnte leider nur noch sehen, wie der Schwanz auf der rechten Seite der Straße im Dunkel verschwand. Ich drückte trotzdem noch auf den Auslöser: „Vielleicht kann man das Bild bearbeiten und noch Umrisse erkennen“.
Ich war geschockt! Ich war mir ja 100% sicher, dass es ein schwarzer Panther war, aber wem sollte ich es erzählen, wer würde mir glauben? Nun endlich kam mein Mann an meine Seite. Ich wollte ihm gerade berichten was geschehen ist, da liefen an der Stelle, wo der Panther verschwand, von rechts nach links zwei Katzen über die Straße. Die eine ist gleich mit einem Wahnsinnstempo in einem Garten verschwunden, die andere stoppte und setzte sich dann auf der anderen Seite, als ob sie schauen wollte, wann der Besuch wieder geht. Erst jetzt hatte ich einen perfekten Größenvergleich vor Augen und ich fragte mich, wie groß der Panther dann wohl genau war? 120cm lang und 70cm hoch? Reichte das aus? Als er dort unter dem Licht stand, nahm er die halbe Straße ein…
Ich erzählte, was ich gesehen hatte. Mein Mann war der Meinung, dass ich wohl nur einen Hund gesehen hätte. „Ja, klar! Sie sehen ja vom körperlichen her auch fast gleich aus und bewegen sich ganz ähnlich!?“ dachte ich wütend. Enttäuschung machte sich breit. Nicht mal mein Mann glaubte mir.
Ich verbrachte noch einige Stunden im Internet. Wollte eine Bestätigung dafür, dass ich nicht verrückt geworden bin und wurde fündig: Schwarzer Panther streunt durch die Eifel. Das war die Überschrift der Berliner Morgenpost vom 26.10.2010. „Nun gut“, dachte ich, “Trier ist zwar nicht gerade um der Ecke, aber wenn das Tier seit einem halben Jahr nicht mehr gesichtet wurde und es bis zu 40 km am Tag laufen kann…“
Die Nacht grübelte ich noch lange, was ich tun sollte. Sollte ich die Polizei informieren? Oder lachen die mich nur aus? Ich ging baden, in der Hoffnung dieses Thema vorerst aus meinem Kopf zu bekommen. Es klappte nicht. Ich wollte noch eine Zigarette rauchen, bevor ich ins Bett ging. Allerdings verzichtete ich darauf, weil ich dann wieder nach draußen müsste. Inzwischen hatte ich schon so viel über Panther gelesen: das sie nur in die Nähe von Wohngebieten kommen, wenn sie hungrig sind und wie leise (und schnell) sie laufen können. Ich hatte zwar Angst um meine Katze, hoffte aber, dass sie sich schnell genug in Sicherheit bringen könnte. Durch die Katzenklappe käme der Panther auf jeden Fall nicht!
Sonntagmorgen regnete es. „Toll, jetzt wären die Tatzenspuren oder sonstige Beweise sowieso weg“, dachte ich und beschloss, den Vorfall nicht zu melden. „Einfach normal weiter machen und das gesehene vergessen!“ Aber dies wollte mir einfach nicht gelingen. Ich konnte an nix anderes mehr denken! War es jetzt etwas tolles, einem schwarzen Panther begegnet zu sein? Das Bild war göttlich! Als Hobbyfotografin ärgerte es mich, die Cam nicht dabei gehabt zu haben und wünschte mir diese Situation erneut herbei. Aber das Bild war auch so falsch! Ich hatte Angst um meine Tochter, Hunde und um die Katze. Was, wenn jemandem etwas passiert, weil die Leute unwissend sind und keine Ausschau nach dieser Gefahr halten?
Mittags musste ich mit den Hunden spazieren gehen – ich gehe immer gleich hier oben ins Feld, bis an den Wald. „Er kann schon in Hannover sein“ sagte ich mir immer wieder. Mein Handy und die Camera sind seitdem meine ständigen Begleiter. Während diesem Rundgang drehte ich mich ständig um und schaute in alle Richtungen. Auch auf den Bäumen blieb mein Blick hängen, schließlich sind Panther super Kletterer.
Auf meine abendliche Zigarette verzichtete ich auch an diesem Tag.
Es wurde einfach nicht besser, ich war nicht in der Lage an etwas anderes zu denken als an diese Begegnung. „Heute könnte er schon 100 km weit weg sein – oder aber auch direkt im Garten nebenan liegen.“ Ich beschloss mein Gewissen (was evtl. baldiger Opfer anging) zu erleichtern und fuhr am Montag dann doch zur Polizei.
„Wissen Sie, ob irgendwo ein schwarzer Panther entlaufen ist?“ fragte ich scheinheilig. Das ganze Internet war voll davon, dann werden die es ja wohl auch wissen… Oder auch nicht! Der Polizist schüttelte den Kopf und sah mich mehr als skeptisch an: „Sind sie sicher, das es keine Katze war?“ „Nein, es war definitiv keine Katze!“ antwortete ich. Der Polizist sagte zwar, dass er sich schlau machen wolle, aber das Lachen stand ihm bereits in den Augen. Eigentlich wollte ich ihm meine Geschichte, meine Gedanken noch mitteilen – bemerkte in diesem Moment jedoch, dass es überhaupt nix bringen würde. Ich war schon verurteilt!
Ich beließ es dabei und drehte mich zum Gehen um. Aber ich wollte es wissen und schaute nochmal schnell über meine Schulter. Der Polizist stand bereits bei seinen Kollegen im Nebenraum und sie hielten sich die Bäuche vor Lachen. Als er mir dann versehentlich in die Augen schaute, und somit bemerkte, dass ich noch nicht zur Tür raus gegangen war, wendete er sich schnell ab. „Dein Freund und Helfer“, dachte ich enttäuscht und ging.
Anderseits konnte ich es ihnen auch nicht übel nehmen. Wie bescheuert hört sich das auch schon an? „Klar, passiert ja ständig, dass jemand aus der Tür geht und dann mitten auf der Straße einen schwarzen Panther stehen sieht.“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich würde es auch keinem glauben.“